Rebveredelung: Wie unsere Reben ihre Kraft bekommen
- Saarkind Blogger/innen
- vor 3 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
Wissen aus dem Weinberg – einfach erklärt
Wenn du im Frühling durch die Weinberge spazierst, siehst du vielleicht Winzer:innen, die scheinbar kleine "Schnittstellen" an Reben bearbeiten oder mit Spezialwerkzeug hantieren. Was da passiert, ist echte Handwerkskunst – und ein elementarer Bestandteil des Weinbaus: die Rebveredelung.

Doch was bedeutet das eigentlich genau?
Was ist Rebveredelung?
Rebveredelung ist ein Verfahren, bei dem zwei verschiedene Pflanzenteile miteinander verbunden werden: die Unterlage (Wurzelstock) und die Edelrebe (die Sorte, die später Trauben trägt – zum Beispiel Riesling oder Spätburgunder).
Stell dir vor, du verbindest ein starkes Fundament mit einem hochwertigen Aufbau. Genau das passiert bei der Veredelung: Die Unterlage sorgt für Standfestigkeit, Gesundheit und Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten im Boden – die Edelrebe bringt den Geschmack und die gewünschte Rebsorte mit.
Warum machen Winzer:innen das?
Die Rebveredelung hat mehrere Vorteile:
Schutz vor Reblaus: Die Reblaus hat im 19. Jahrhundert fast alle europäischen Weinberge zerstört. Amerikanische Reben sind resistent – deshalb wird die europäische Rebsorte auf eine amerikanische Unterlage veredelt.
Bessere Bodenanpassung: Die Wahl der Unterlage beeinflusst, wie gut die Rebe mit Wasserknappheit, Nährstoffen oder Bodenbeschaffenheit zurechtkommt.
Gezielte Sortenwahl: So können Winzer:innen exakt bestimmen, welche Rebsorte im Weinberg wächst – ohne komplett neu pflanzen zu müssen.
Wie funktioniert Rebveredelung?
Im Frühjahr werden junge Reben veredelt, häufig durch sogenannte "Omega-Schnitt"-Technik oder Kopulation. Dabei wird die Edelrebe auf die Unterlage gesetzt – beide Pflanzenteile müssen exakt aufeinander passen. Anschließend wird die Veredelungsstelle mit einem Wachsschutz überzogen und in einem feucht-warmen Klima "verheilt".
Die veredelten Reben wachsen dann zunächst in der Rebschule heran, bevor sie später im Weinberg ausgepflanzt werden.
Umveredelung
Eine andere Möglichkeit der Rebenveredlung ist die Veredelung direkt am Stock (das hast du vielleicht in unserem Instagram post/reel gesehen): Hierbei wird während der Vegetation und draußen im Weinberg auf eine andere Rebsorte umgestellt. Eine Neuanpflanzung ist nicht erforderlich und das Wurzelsystem des “alten” Rebstocks kann weiterhin genutzt werden. Der Vorteil hierbei ist, dass bereits nach einem Jahr die Reben wieder Ertrag bringen, während bei einer Neuanpflanzung eine Rebe erst nach drei Jahren zu tragen beginnt.
Wann wird veredelt?
Der Hauptzeitraum für die Rebveredelung liegt im Frühjahr, häufig im April – deshalb widmen wir diesem Thema in diesem Monat besondere Aufmerksamkeit. Für viele Winzer:innen beginnt damit der Kreislauf des neuen Rebenlebens.
✨ Fun Fact: Ein guter Wein beginnt nicht erst im Keller – sondern schon mit der Auswahl der Unterlage und Edelrebe. Ohne Rebveredelung gäbe es viele der heute typischen Weine in Europa gar nicht mehr.
Fazit: Die Rebveredelung ist ein faszinierender Mix aus Tradition, Botanik und Handarbeit. Sie bildet die Basis für gesunde Weinberge und charaktervolle Weine. Wenn du das nächste Mal ein Glas Riesling oder Spätburgunder genießt, denk daran: Seine Geschichte begann mit einem präzisen Schnitt und viel Fingerspitzengefühl.
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